Donnerstag, 2. Februar 2012

Theater Theater: Von Räubern und Ratten

Die letzt-/diesjährige, äh, also jedenfalls die aktuelle Theatersaison hat ja nun schon einige Monate auf dem Buckel - trotz Abo habe ich allerdings noch nicht so viel gesehen, weil bereits die 2. Vorstellung wegen Krankheit gleich mehrerer Ensemblemitglieder abgesagt/verschoben werden musste. Nun denn. "Endstation Sehnsucht" war immerhin eine ausgesprochen gute Premiere für die neue Abo-Saison.

Das außerabomäßige Plastik-Ballett im Januar hätte vielleicht ohrenschonendere Musik haben können, aber von der Choreografie her war's gewohnt professionell und teilweise auch ideenreich gemacht. Klar, es gab natürlich schon Besseres, ich erinnere an "Romeo & Julia", das uns buchstäblich zu Tränen rührte, oder "Schwanensee" mit den witzigsten vier kleinen Schwänen aller Zeiten, von den durchweg eigentlich immer originellen Darbietungen im intimeren Rahmen der Feuerwache ganz abgesehen. Obwohl ich da all die anorektischen Mädels noch dichter vor Augen habe, ahem.

Im neuen Jahr aber ging's/geht's jetzt auch schauspielseitig Schlag auf Schlag: Am vergangenen Mittwoch gab's Schillers "Räuber", gestern Hauptmanns "Ratten" und nächste Woche Mittwoch kommt "Villa Dolorosa". Nun, um es kurz zu machen: Für Letzteres kann ich nur auf Besserung hoffen - wiewohl Kid Malicious äußerstes Vergnügen verspricht, er hat's schon gesehen -, denn was ich an den beiden vergangenen Theaterabenden durchlitten habe ... owei, owei.

Ich werd das jetzt mal tennisspielartig kommentieren.

Aufschlag "Räuber"
Unverständlich nuschelnde/schreiende Ensemblemitglieder in höchst 'speziellen' Kostümen
0:15
Stück hat wenigstens nur 90 Minuten meiner Lebenszeit verschwendet
15 beide
Nina Schopka, die allzeit Wunderbare, singt und zeigt ihre endlos langen, perfekten Marlene-Dietrich-Gedächtnis-Beine
30:15
Die Frau mit dem Baby (!) auf dem Arm, die allen Ernstes zur Ballettaufführung gekommen war und auch noch in der Mitte der Reihe gesessen hat (da wo immer gern die Nervigsten sitzen, die 5 Minuten vor Beginn entweder erst kommen oder sich, sitzen sie schon, genau dann entscheiden, noch eben schnell aufs Klo zu gehen), bis das Kind nach einer halben Stunde doch zu arg gequengelt hat, so dass sie gnädigerweise gegangen ist, war verhindert
40:15
Die Bühne ist öd und leer. Man kann's auch übertreiben mit dem Minimalismus
40:30
Schiller aus Prinzip (kam an dem Tag leider auch nix anderes)
40 beide
Die mittlerweile nicht mehr wegzudenkenden, aber nichtsdestotrotz kolossal nervenden Masken und Perücken
Spiel "Räuber"

Aufschlag "Ratten"
Stück hätte man ordentlich kürzen können (in memoriam Millenium-Trilogie) - 135 Minuten meines Lebens verschwendet
0:15
Ensemble spielt größtenteils gut und gibt sich Mühe mit dem Berlinern
15 beide
Bühnenbild ist gewohnt bizarr, aber okay
30:15
Die Darstellerin (?) der Sidonie verstört mit Sprachfehler, wirkt obendrein so deplatziert wie überfordert und verlangsamt dadurch den ohnehin zähen Ablauf noch zusätzlich
30 beide
Körbel und Kohl nerven mit wie immer egomanischer Selbstinszenierung
30:40
Frau Petzold sorgt (zumindest bei uns) für kurzfristige Erheiterung mit einer Kostümierung à la Queen Lisbeth
Einstand
Fataler Doppelfehler: Meininger kann nicht berlinern ...
Vorteil, äh, wer eigentlich?
... und auch immer noch nicht schauspielern
Spiel "Ratten"

Ich fühlte mich jedenfalls an beiden Abenden als Verliererin.
Es kann nur besser werden. Es muss. Bitte ...

2 Kommentare:

Kid Malicious hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Kid Malicious hat gesagt…

Vorbericht der Saarbrücker äh, nennen wir es "Zeitung": "Meininger hat längst aufgehört, Mensch zu sein". Dabei müsste es heißen: "Meininger hat längst aufgehört, Schauspieler zu sein."

Hat er je damit angefangen?

Schlingmann bleibt also. Naja, ein Wechsel nach Bonn wäre für mich als Zuschauer nicht dramatisch, kein Beinbruch gewesen. Bis auf Herrn Meininger bin ich mittlerweile Fan des Ensembles, aber bisher hat mich in dieser Spielzeit tatsächlich nur "Villa Dolorosa" überzeugt, sogar der Feuerwehrmann neben mir hatte viel Spaß :-)

Eine absolut gelungene Tschechow-Parodie, bei der alles gestimmt hat.