Freitag, 30. Dezember 2011

Gedanken zum Jahresende

Vom wunderbaren und unvergessenen Robert Gernhardt ...

Sei gut zu dir.
Die Welt ist schlecht.
Das Unrecht blüht,
nimm dir das Recht
und tu den Schritt
zum Ich vom Wir:
Die Welt ist schlecht.
Sei gut zu dir.

Freitag, 16. Dezember 2011

2011 mit bunten Steinen

Allerliebst! Auf welche Ideen manche Menschen kommen, ist immer wieder erstaunlich ...

Montag, 12. Dezember 2011

Projekt Weltverbesserung

Auf meine - zugegebenermaßen sehr bescheidene - Art versuche ich ja seit einigen Jahren, die Welt zu retten: Meistens kaufe ich regionale Lebensmittel oder wenigstens in Bio-Qualität sowie möglichst solche Kleidung und Schuhe, die wenigstens irgendwo in Europa hergestellt wurden. Ich sage möglichst, denn ich konnte die wunderbar warme, marineblaue Cordhose von Boden "Made in China" einfach nicht wieder zurückschicken, sie ist allzu hinreißend. Und bei meinem heißgeliebten Caotina-Kakaopulver denke ich lieber auch nicht dran, von wem die Kakaobohnen geerntet wurden ...

Zum Komplex "Made in China" hab ich grad jüngst "Ein Jahr ohne 'Made in China'" von Sara Bongiorni gelesen. Uiuiui, die Ärmste war teilweise mächtig in der Bredouille und zwar nicht nur, weil sie zwei kleine Kinder beruhigen musste, die plötzlich so gut wie ohne Spielzeug oder Kleidung waren. Ein solches Unterfangen scheint in USA sogar noch einen ganzen Ticken schwieriger zu sein als hierzulande, wo wir immerhin fast für alles eine Alternative haben, wenn ich beispielsweise statt des Billigplastikmehlsiebs auch die chromblitzende Made-in-Germany-Variante kaufen kann, wenn halt locker für den dreifachen Preis. Dabei ist mir übrigens aufgefallen, dass mächtig hinterhältig die Bezeichnung "Made in PRC" auf dem einen oder anderen Produkt prangt - da ist schon eine gewisse geistige Transferleistung vonnöten, um das Akronym zu knacken.

Frau Bongiorni wird mit der Zeit recht kreativ, um Einkaufshürden zu umgehen. So kauft sie z.B. Waren aus Taiwan und Hongkong, wo jeder Mensch in China, fragte man ihn, ob diese ein Teil Chinas seien, ohne zu zögern wild nicken würde. Oder sie bittet gleich die Verwandtschaft, den lieben Kleinen zum Geburtstag ein Gummiplanschbecken zu schenken, was ihr in hin und wieder endlos anmutenden 365 Tagen nicht möglich wäre. (Durch die Lektüre deutlich sensibilisierter in der Welt unterwegs, ist mir bei der Gelegenheit immerhin aufgefallen, dass es bei Ikea tatsächlich auch Plastikdosen made in Italy gibt. Wo hätte ich das vorher geahnt?!) Und wer würde bei Mandarinen aus der Dose gleich dran denken, dass die aus China kommen? Als gäb's in Mexiko - sozusagen um die Ecke - keine?

Wahre Stoßgebete sendet sie aus, was elektronische Geräte angeht, denn was sollte sie tun, wenn es den Fernseher, das Telefon oder den Rechner fetzt, da es schon kaum möglich ist, eine Druckerpatrone ohne chinesische Bauteile zu bekommen? Dumm aus der Wäsche gucken, um es mit fünf Worten zu sagen. Sehe ich ja leider auch bei meiner eigenen IT-Landschaft und Unterhaltungselektronik. Da bringt es auch nichts, wenn sich die Teile mit dem angebissenen Kernobst drauf ein "Designed in the U.S.A." reinfräsen.

Das bringt mich zu meinem Taschenfon, das ja mittlerweile fast schon ein Retroteil ist. Nachdem ich gestern den wohl schlimmsten Kurzfilm meines Lebens gesehen habe, habe ich mir vorgenommen, nicht nur das Flossi, sondern ab sofort auch alle anderen Geräte in meinem Haushalt, für die u.a. Coltan benötigt wird, so lange zu benutzen, bis sie restlos auseinanderfallen, damit wenigstens ich nicht losziehe, um dauernd neues Zeug zu kaufen, dessen Herstellung wiederum Coltan erfordert.

Die Warnung, dass man aufgrund drastischster Szenen mindestens 18 sein muss, um den Film auf www.unwatchable.cc anzugucken, ist durchaus ernst zu nehmen - ich bin schon fast dreimal so alt und war erschüttert, bin es immer noch. Normalerweise bin ich durchaus hart im Nehmen, aber diese 6 Minuten sind entsetzlich anzuschauen. Homo homini lupo. Sollte es irgendwo da draußen Außerirdische geben, sind die hoffentlich weiterentwickelt als wir, was Respekt vor dem Leben angeht ...

Freitag, 9. Dezember 2011

Der typisch (?) deutsche Sonntagabend in knapp 2 Minuten ...



Ob das irgendwie Absicht ist, dass die "Kommissarin" hier eine ähnlich, äh, überschaubare Palette an mimischen Ausdrucksmöglichkeiten drauf hat wie Dr. Maria ...?

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Hubschrauber über Thornfield Manor

Was wohl Charlotte Brontë davon halten würde, dass die Geschichte ihres unbedeutenden, kleinen Vogels "Jane Eyre" aktuell in der gefühlt dreihundertsiebenundvierzigsten Version im Kino gezeigt wird?

Ich schätze ja, dass ich vermutlich jede der zig Verfilmungen irgendwann mal gesehen habe, also warum nicht auch die neueste mit Michael "Magneto" Fassbender, der angesichts der genauen Beschreibung im Roman als Mr. Rochester, Herr von Thornfield Manor, ein wenig fehlbesetzt daherkommt, und Mia "Alice im Wunderland" Wasikowska in der Titelrolle?

Erste Szene: Wackelkamera. Mist. Kann denn heute echt niemand mehr ohne? Offenbar jedenfalls nicht ein 34-jähriger Regisseur, der lt. durchweg enthusiastischer Kritik mit seinem Film der Story ohnehin ganz neue Aspekte abzugewinnen vermag. Ach, tut er das? Ich finde: nicht - vielleicht mal abgesehen davon, dass er Janes hochdramatisches Schicksal mithilfe von Rückblenden ab dem Zeitpunkt ihrer Flucht von Thornfield von hinten aufrollt, was immerhin was für sich hat, weil's am Ende eh stinklangweilig wird, wie Kid Malicious so treffend konstatierte. Ansonsten passiert das Übliche: Raue Natur zerrt an den Protagonisten, es werden Kerzen angezündet, Bilder gezeichnet und Rebhühner gebraten, Rochester gibt den mit einem fiesen Backenbart geschlagenen und (darum?) ewig schlecht gelaunten Kotzbrocken (bekanntlich die beste Methode, um unerfahrene Jungfrauen für sich einzunehmen), seine Frau stromert als fahrige Irre mit strähnigen Haaren durchs dunkle Gemäuer und nicht zuletzt guckt Jane konstant leidenschaftlich leidenschaftslos drein unter ihrer zeitgenössisch vermutlich authentischen, aber nichtsdestotrotz fragwürdigen Frisur, gegen die selbst Prinzessin Leias legendäre geflochtene Kopfhörer geradezu todschick anmuten, ließen diese doch wenigstens für die Ohren kein Guckloch (oder Hörloch, in dem Fall) frei. Das alles in bedeutungsschwangeren Nahaufnahmen, die Kenner (?) so gern als "atmosphärisch dicht" preisen. Ich nenne sie schlicht "öde". Hust.

Da es sich um eine Produktion der renommierten BBC handelt, sind in den Nebenrollen - natürlich - einige der besten britischen Schauspielerinnen zu sehen, unter anderem Dame Judi Dench, die Wunderbare, als Haushälterin und die sonst so sonnige Sally Hawkins als die böse Tante, ausgerechnet. Als Janes gutherziger Retter aka knöchriger Lehrer ist zudem Jamie Bell zu sehen, mittlerweile zum Manne gereift. Ein bisschen zumindest. Zu erwähnen ist ferner die kleine Adèle, die so übel singt und tanzt, dass ich Schnappatmung kriege. (Oder Moment, im Vergleich zu Bijonze, wenn ich so drüber nachdenke ...) Über den Namen des Mädchens lege ich trotzdem lieber das Strandlaken des Schweigens.

Sehr unüblich und für mich ein echter Aufreger ist Edwards und Janes Küsserei. Man mag mich kleingeistig nennen, aber in dieser Epoche gab's das einfach nicht. Punkt. Vor der Verlobung haben sich die Menschen kaum angefasst und zwischen Verlobung und Hochzeit war maximal ein Handkuss drin. Soll die Knutscherei den US-amerikanischen Markt versöhnen, dass der sich nicht langweilt mit den verklemmten Engländern von dunnemols? Geht gar nicht.

Der Oberaufreger des Films war allerdings nicht das mäßig gefällige Produkt selber, sondern die unfähige Präsentation. Ich weiß nicht, was der Mensch im Vorführraum sonst beruflich macht - das Aufziehen einer Filmrolle kann es keinesfalls sein. So miese Anschlüsse hab ich noch selten gesehen und wenn, dann bei uralten Filmen, die schon Hunderte Male geschnippelt wurden. Der Hammer war die letzte Rolle, da hat's nämlich auch noch die Tonspur zerhackt und das Ergebnis waren ein surreal verfremdeter Score, extrem, äh, zittrige Dialoge und abartig bizarre Hintergrundgeräusche, die sich anhörten wie die blogtitelgebenden Hubschrauber. Jessesmariaundjosef.

Als ich mit dem Presseausweis in manchen Kinos noch gratis Filme gucken konnte, hab ich bei solchen Gelegenheiten ganz selbstverständlich die Sache in die Hand genommen und das Thekenpersonal informiert, dass was nicht in Ordnung ist (und übrigens auch immer reichlich Getränke und Zuckerkram eingekauft, ich weiß schließlich, womit ein Kino wirklich Geld verdient). Aber im Camera-Kino bezahle ich zum einen meine Karte und finde es zum anderen eh unmöglich, aufgrund eines zum siebenundzwanzigsten Mal renovierten Foyers die Eintrittspreise mal eben zu verdoppeln (!), während in den Kinosälen immer noch die alten Scala-Zustände aus den 80ern des letzten Jahrhunderts herrschen, was Sitz-"Komfort" und Bild-/Ton-"Qualität" angeht. Oder nee, stimmt ja gar nicht, ich wurde ja auf meinen entrüsteten Eintrag im Gästebuch hin darauf hingewiesen, dass in Saal 4 beispielsweise tapeziert wurde und neue Lampen aufgehängt. Nur merke ich davon normalerweise nix, wenn ich einen Film ansehe, dann ist es nämlich dunkel! Jessesmariaundjosef (2).

Der langen Rede kurzer Schluss: Ich bin nicht rausgegangen, um Bescheid zu geben, dass plötzlich alle Leute im Film jodeln, und auch sonst keine/r, also haben wir uns hernach an der Theke beschwert und da hieß es dann allen Ernstes, wir hätten doch kommen und was sagen sollen. Vielen Dank auch.

Blöd halt, dass im Camera-Kino einige Filme kommen, die sonst nirgends laufen. Eine alternativlose Misere, wie Änschela Mörkl sagen würde ...