Ich schätze ja, dass ich vermutlich jede der zig Verfilmungen irgendwann mal gesehen habe, also warum nicht auch die neueste mit Michael "Magneto" Fassbender, der angesichts der genauen Beschreibung im Roman als Mr. Rochester, Herr von Thornfield Manor, ein wenig fehlbesetzt daherkommt, und Mia "Alice im Wunderland" Wasikowska in der Titelrolle?
Erste Szene: Wackelkamera. Mist. Kann denn heute echt niemand mehr ohne? Offenbar jedenfalls nicht ein 34-jähriger Regisseur, der lt. durchweg enthusiastischer Kritik mit seinem Film der Story ohnehin ganz neue Aspekte abzugewinnen vermag. Ach, tut er das? Ich finde: nicht - vielleicht mal abgesehen davon, dass er Janes hochdramatisches Schicksal mithilfe von Rückblenden ab dem Zeitpunkt ihrer Flucht von Thornfield von hinten aufrollt, was immerhin was für sich hat, weil's am Ende eh stinklangweilig wird, wie Kid Malicious so treffend konstatierte. Ansonsten passiert das Übliche: Raue Natur zerrt an den Protagonisten, es werden Kerzen angezündet, Bilder gezeichnet und Rebhühner gebraten, Rochester gibt den mit einem fiesen Backenbart geschlagenen und (darum?) ewig schlecht gelaunten Kotzbrocken (bekanntlich die beste Methode, um unerfahrene Jungfrauen für sich einzunehmen), seine Frau stromert als fahrige Irre mit strähnigen Haaren durchs dunkle Gemäuer und nicht zuletzt guckt Jane konstant leidenschaftlich leidenschaftslos drein unter ihrer zeitgenössisch vermutlich authentischen, aber nichtsdestotrotz fragwürdigen Frisur, gegen die selbst Prinzessin Leias legendäre geflochtene Kopfhörer geradezu todschick anmuten, ließen diese doch wenigstens für die Ohren kein Guckloch (oder Hörloch, in dem Fall) frei. Das alles in bedeutungsschwangeren Nahaufnahmen, die Kenner (?) so gern als "atmosphärisch dicht" preisen. Ich nenne sie schlicht "öde". Hust.
Da es sich um eine Produktion der renommierten BBC handelt, sind in den Nebenrollen - natürlich - einige der besten britischen Schauspielerinnen zu sehen, unter anderem Dame Judi Dench, die Wunderbare, als Haushälterin und die sonst so sonnige Sally Hawkins als die böse Tante, ausgerechnet. Als Janes gutherziger Retter aka knöchriger Lehrer ist zudem Jamie Bell zu sehen, mittlerweile zum Manne gereift. Ein bisschen zumindest. Zu erwähnen ist ferner die kleine Adèle, die so übel singt und tanzt, dass ich Schnappatmung kriege. (Oder Moment, im Vergleich zu Bijonze, wenn ich so drüber nachdenke ...) Über den Namen des Mädchens lege ich trotzdem lieber das Strandlaken des Schweigens.
Sehr unüblich und für mich ein echter Aufreger ist Edwards und Janes Küsserei. Man mag mich kleingeistig nennen, aber in dieser Epoche gab's das einfach nicht. Punkt. Vor der Verlobung haben sich die Menschen kaum angefasst und zwischen Verlobung und Hochzeit war maximal ein Handkuss drin. Soll die Knutscherei den US-amerikanischen Markt versöhnen, dass der sich nicht langweilt mit den verklemmten Engländern von dunnemols? Geht gar nicht.
Der Oberaufreger des Films war allerdings nicht das mäßig gefällige Produkt selber, sondern die unfähige Präsentation. Ich weiß nicht, was der Mensch im Vorführraum sonst beruflich macht - das Aufziehen einer Filmrolle kann es keinesfalls sein. So miese Anschlüsse hab ich noch selten gesehen und wenn, dann bei uralten Filmen, die schon Hunderte Male geschnippelt wurden. Der Hammer war die letzte Rolle, da hat's nämlich auch noch die Tonspur zerhackt und das Ergebnis waren ein surreal verfremdeter Score, extrem, äh, zittrige Dialoge und abartig bizarre Hintergrundgeräusche, die sich anhörten wie die blogtitelgebenden Hubschrauber. Jessesmariaundjosef.
Als ich mit dem Presseausweis in manchen Kinos noch gratis Filme gucken konnte, hab ich bei solchen Gelegenheiten ganz selbstverständlich die Sache in die Hand genommen und das Thekenpersonal informiert, dass was nicht in Ordnung ist (und übrigens auch immer reichlich Getränke und Zuckerkram eingekauft, ich weiß schließlich, womit ein Kino wirklich Geld verdient). Aber im Camera-Kino bezahle ich zum einen meine Karte und finde es zum anderen eh unmöglich, aufgrund eines zum siebenundzwanzigsten Mal renovierten Foyers die Eintrittspreise mal eben zu verdoppeln (!), während in den Kinosälen immer noch die alten Scala-Zustände aus den 80ern des letzten Jahrhunderts herrschen, was Sitz-"Komfort" und Bild-/Ton-"Qualität" angeht. Oder nee, stimmt ja gar nicht, ich wurde ja auf meinen entrüsteten Eintrag im Gästebuch hin darauf hingewiesen, dass in Saal 4 beispielsweise tapeziert wurde und neue Lampen aufgehängt. Nur merke ich davon normalerweise nix, wenn ich einen Film ansehe, dann ist es nämlich dunkel! Jessesmariaundjosef (2).
Der langen Rede kurzer Schluss: Ich bin nicht rausgegangen, um Bescheid zu geben, dass plötzlich alle Leute im Film jodeln, und auch sonst keine/r, also haben wir uns hernach an der Theke beschwert und da hieß es dann allen Ernstes, wir hätten doch kommen und was sagen sollen. Vielen Dank auch.
Blöd halt, dass im Camera-Kino einige Filme kommen, die sonst nirgends laufen. Eine alternativlose Misere, wie Änschela Mörkl sagen würde ...
1 Kommentare:
Ihr lieben Leute von der camera zwo - das arthouse kino, Futterstraße 5-7, 66111 Saarbrücken: Ich schließe mich an. Bitte das nächste Mal weniger in Lampen und Farbe und mehr in Technik investieren und die Vorführer besser schulen. War nämlich kein Einzelvorfall.
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