Samstag, 26. November 2011

Der Löwe und das Lamm und der Werwolf und die Perücke und das Schneewittchen

Seit einiger Zeit kommt alle Jahre wieder nicht nur das Christuskind, sondern auch eine Meyer-Verfilmung. Da ihre Romane mit jedem Band dicker wurden - wobei sich die Quantität definitiv nicht proportional zur Qualität verhält! -, hat den 4. und letzten Teil nun leider auch die Seuche gepackt, bei einer Verfilmung alles in zwei Teile zu schneiden, was länger ist als 400 Seiten oder so. Das nervt. HP 7.1 war dermaßen langweilig, dass ich mir gewünscht habe, während eines Films auf der Couch einschlafen zu können, wie es meine ganze Familie tagtäglich fertigbringt. Okay, 7.2 hat's dann ja wieder rausgerissen, das gebe ich zu.

Der weiterhin vampirseitig konsequent blutleeren Vampirsaga letzter Teil, also der erste Teil des letzten Teils ... wie auch immer, also "Breaking dawn" jedenfalls beginnt mit einer für Team Jacob äußerst erquicklichen Szene: Taylor Lautner reißt sich nach handgestoppt 10 Sekunden das Shirt vom Leib. Mir schwante schon wieder Übles für den Rest, doch das Wunder geschieht: Es ist, wenn ich mich recht erinnere, tatsächlich das einzige Mal. Im ganzen Film. Unfassbar. Ebenfalls Neuland betritt bekanntermaßen das junge Mensch-Vampir-Glück: Züchtig nach einer robinhoodesken Waldhochzeit (und einer kleinen Horroreinlage für Bella in ihren Träumen in der Nacht zuvor), die Jessica süffisant vermuten lässt, dass da wohl geheiratet werden "müsse", kommt es nach all den nervtötend keuschen Küssen der vergangenen Bücher/Filme erstmals zu körperlichen Intimitäten. Puh. Zurück bleibt allerdings ein Ehebett, das aussieht, als wäre es mindestens von einem Erdbeben oder wahlweise einem wildgewordenen Möbeltischler heimgesucht worden. Und da obendrein auch die arme Braut ziemlich mitgenommen ist, stellt Edward, der zum Augenrollen edle Ritter in bleicher Rüstung, jegliche Beischlafaktivitäten sofort wieder ein und lacht seine Frau gar aus, wenn sie ihn in mädchenhaft-anrüchigen Dessous (zugegebenermaßen etwas linkisch) zu verführen versucht. Apropos lachen: Noch nie hat Bella so viel gelächelt, das fällt wirklich ins Auge.

Das eine einzige Mal Geschlechtsverkehr ist jedoch - wie in schlechten Aufklärungsbroschüren zuhauf warnend beschrieben - nicht folgenlos geblieben. Und so mutiert Bella bis zum Ende des Films zu einer Art schwangerem Magerzombie mit hohläugigem Blick und spitzen Knochen (ich hoffe für Frau Steward, dass hierbei die Maske-Abteilung den Hauptteil der Arbeit geleistet hat und sie sich nicht wie weiland Christian Bale auf einen Bruchteil ihres Körpergewichts authentisch runterhungern musste), während um sie herum alle so ein bisschen durchdrehen. Klar, die Indianer-Schrägstrich-Werwolf-Gang, allen voran Jacob, fand die ganze Sache von Beginn an nicht gut, aber die Cullens sind gleichfalls nicht gerade glücklich, wie sich "der Fötus" gebärdet, den nur Rosalie (mit neuer, aber genauso schauerlicher Perücke wie stets geschlagen) nachdrücklich "das Baby" nennt.

Besserung ist erst in Sicht, nachdem Jacob ob eines Geistesblitzes sozusagen diagnostiziert, was Bella fehlt, nämlich überraschenderweise Blut, das - igitt - den Weg normaler Getränke nehmen sollte, um seine volle Wirkung zu entfalten. Find ich jetzt hobbymedizinisch zwar fragwürdig, aber der Erfolg gibt ihm recht, immerhin, und Bella schöpft dadurch Kraft genug bis zur ziemlich blutrünstigen Geburtsszene, bei der Edward das Kind regelrecht aus ihr rausbeißt. Während all dessen hat sich Jacob sehr unerlaubt und wütend von der Truppe entfernt - Leah und Seth hinter ihm her -, die spornstreichs zum Angriff bläst, zu dem es dann aber nicht kommt, weil Jacob ausgerechnet und ungewollt auf das frisch geborene Vampirbaby geprägt wird. Da muss ich übrigens sagen, dass er die Erkenntnis sehr gut spielt: Eben noch stürmt er mordlüstig heran, da wirft ihm die Kleine einen schmelzenden Blick zu in Kombination mit allerlei lieblichen Zukunftsvisionen und er sinkt ausgesprochen malerisch in hingerissener Kapitulation auf seine Knie. Doch, das ist echt hübsch.

Im Nebenzimmer sieht's derweil aus wie nach einem Kettensägenmassaker, dort haut nun nämlich Edward aus einer armdicken Spritze sein Eigengift in Bellas Herz und seine Zähne in diverse Stellen ihres Körpers, damit sie, äh, überlebt. Aber ach, sie liegt wie aufgebahrt und es scheint nicht (mehr) funktioniert zu haben! Kennerinnen wissen es: Nicht zuletzt um 4.2 zu legitimieren, verwandelt sie sich aber doch untermalt durch einige anschauliche C.S.I.-Gedächtnis-Körperinnenansichten mit einem Donnerschlag - Loreleis treffender Kommentar: "instant make-up!" - zu einer Art rotäugigem Schneewittchen mit der weißesten Haut und dem rotesten Mund und dem ebenhölzernsten Haar. Cooler Schluss.

Nun denn. Sind ja jetzt nur noch knapp 350 Nächte und dann ist es endlich vollbracht. Nichtsdestotrotz graut's mir jetzt schon vor der Ackerszene ...