Wie auch immer. Die Spielzeit 201/2012 ging jedenfalls los mit einem echten Knaller: "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams. Ich gestehe, ich hab das Stück garantiert nie gelesen. Die Hauptfigur Blanche Dubois kenne ich aber immerhin dem Namen nach aus Woody Allens "Gott", das wir mal Thunis aufgeführt haben vor Jahren, ahem. Und ich glaube, ich hab mal den Film gesehen, aber genau weiß ich es nicht, wer kann das schon bei der Fülle an wunderbaren Filmen aus den 50ern, in denen die Helden und vor allem die Heldinnen so überirdisch hübsch und schwarz-weiß leiden, was das Zeug hält, während die Kamera das gänzlich unaufgeregt filmt? Nicht wie heute, wo ich ständig Augen-Au kriege von der Hektik, in der fünf verschiedene Szenen gefühlt planlos und mit einem Mords-Remmidemmi in 1,5-Sekunden-Schnitten "verbunden" werden. Daher fand ich ja auch den jüngsten "X-Men"-Ableger so erfrischend, weil geradezu altmodisch ruhig und stringent gefilmt, obwohl da durchaus einiges in die Luft fliegt usw., rein action-seitig betrachtet. Oh, diese Woche erscheint die Blu-Ray, fällt mir grad ein, jippi.
Und schon wieder abgeschweift. Geschwiffen. Geschwoft?
Zurück zum Theater. Die etwas abgeramschte Südstaatenschönheit Blanche, die restlos gescheitert, vollkommen mittellos und ihre abgrundtiefe Verzweiflung hinter einer süffisant-überheblichen Fassade versteckend bei ihrer kleinen Schwester und deren grobschlächtigem Ehemann auftaucht, wo sie ihr endgültiges Waterloo erleidet, spielt Christiane Motter einfach glänzend, ich kann es nicht anders sagen. Geradezu herzzerreißend kindlich-zart steht ihr Natalie Hanslik als Stella zwar mit gutem Willen und Liebe zur Seite, aber die Umstände sind allzu widrig. Bzw. ist der eine entscheidende Umstand allzu widerlich: Stanley Kowalsky, Stellas Ehemann. So einen abscheulichen Kotzbrocken überzeugend zu verkörpern, ist natürlich kein Leichtes, aber Andreas Anke schlüpft wirklich souverän in Marlon Brandos Rolle und motzt und tobt und kotzt sich dermaßen lustvoll aus, dass man ihm ununterbrochen und mit Wonne an die Gurgel gehen möchte. Sehr, sehr toll. Auch die kleineren Rollen sind gut besetzt, wobei Mitch leider etwas blass bleibt, wiewohl er allein schon vom Rollencharakter her gegen die ungleichen Schwestern und Ekelpaket Stanley nicht anstinken kann.
Die Bühnenbildner haben ebenfalls wieder mal alles gegeben - immer wieder der Wahnsinn, wie tief die Bühne in der Feuerwache ist -, auch wenn mir dann doch gelegentlich die Möbel fehlen, aber bei all dem Gerenne und Geschmeiße würde das vermutlich in eine Art Kettensägenmassaker ausarten. Einzig störend fand ich die Musik, die (live gespielt und gesungen!) per se zwar wunderschön ist - sie hat mich ein bisschen an "Brokeback Mountain" erinnert -, aber zumindest für meine suboptimalen Ohren gelegentlich schlicht zu laut war. Wenn dann noch alle durcheinander quasseln und dies naturgemäß mit Verve, kippen mir halt irgendwann die Sinne weg. Im Grunde müsste ich das Stück eh einmal für jede Figur einzeln gucken, weil alle so oft gleichzeitig jammern und meckern, dass ich mich dann jeweils auf eine Rolle konzentrieren könnte. Okay, muss nun auch nicht sein.
Auf alle Fälle war es ein grandioser Einstieg für unser Abo. Bitte weiter so! Muss sich ja jetzt erst recht lohnen nach der saftigen Preiserhöhung ...
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