Nun ja, von Frauenbewegung, Atomkraft-Gegnern und Intellekt war in meinen drei letzten Filmen nicht so richtig viel zu spüren. Denken wird aber ja bekanntermaßen eh überschätzt. Doch der Reihe nach.
Alles hat ein Ende
Also, es ist leider so: Ich hab Harry-Potter-Alzheimer. Ganz schlimmes. So viele Bände, so viele Namen, so viele ungewöhnliche Namen zudem, so viele Bösewichte, so viele Zaubersprüche, so viele Zaubergegenstände - da bin ich restlos überfordert. Die letzten drei Bände hab ich obendrein nur gehört, da geht ohnehin einiges verloren. Aber sehen wollte ich dann doch, wie das alles ausgeht, wenn ich auch jetzt leider nicht mehr sagen kann, was genau das alles war (Stichwort Horcruxe - ein ewiges Rätsel, ahem). Aber ich kann zumindest sagen, dass mich "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2" nach dem doch eher ermüdenden HP 7.1 wirklich beeindruckt hat, zum Teil sogar berührt. Der erste Kuss von Ron und Herrmine hätte viel hollywoodesker sein können zum Beispiel, aber er war richtig süß eingebunden. Maggie Smith steht Helen Mirren als Grande Dame in Sachen Coolness im Alter in nix nach und Alan Rickman ist sowieso der Beste. So. Ein würdiger Abschluss.
Schildbürger im Dienste der Menschheit
Wenn ich mir die letzten Monate so ins Gedächtnis rufe, verfolgt uns grad echt die Comicverfilmungsschwemme (nächstes Jahr schwappt dafür die Märchenverfilmungsschwemme über uns hinweg mit gleich zwei Mal Schneewittchen). Macht mir aber nix aus, weil ich mich im Kino gelegentlich gern sinnfrei unterhalten lasse und die Comic-Helden oft recht schnucklig wandeln (ich sprach hin und wieder davon, glaube ich, haha) - auch wenn es im Fall von Chris Evans eine Weile dauert, bis sich der Schnuckligkeitsfaktor voll entfaltet. Neuester Technik sei Dank läuft er zu Beginn von "Captain America - The first avenger" nämlich noch rum wie ein schmächtiger Bubi, dem selbst die kleinste Hemdgröße noch um die nicht vorhandenen Schultern schlackert und den sein bester Freund dauernd aus Prügeleien raushauen (sic!) muss, weil in dem bisschen Kerl nichtsdestotrotz der Mut eines Löwen steckt, wenn es etwa gilt, nervige Kinobesucher in den Senkel zu stellen. Ach, was würde ich manchmal um solche Helden geben, wenn das Popcorn-Geknurpse und ewige Rumgespiele an Mobilfonen mit taghellen Displays einfach kein Ende nimmt! Stanley Tucci sei Dank ist aber irgendwann mit dem Bubikörper Schluss und es heißt: Seid willkommen, ihr Muskeln. Recht hübsch ausdefinierte sogar. Und die nutzt der nunmehr zum titelgebenden "Captain America" mutierte junge Mann mit Hingabe für eine gute Sache (= Welt retten) und nicht wie sagenwirmal Jean-Claude van Damme früher dafür, völlig grundlos und in völlig unpassenden Situationen einen völlig unnötigen Spagat hinzulegen, nur weil er es kann?! Völlig albern ist hier nur des Captains Schildbemalung. Und ziemlich auffällig. Aber er macht damit die Bösewichte platt, bleibt dabei stets ein lieber Junge und das ist schließlich die Hauptsache. Ein wahrhaft gutgelaunter Film.
Die Dichte an großen kleinen Jungs im Publikum ist übrigens in solchen Filmen ja immer erstaunlich hoch und was haben sie sich gefreut, als nach dem Abspann noch "was" kam. Goldig. Da krieg ich fast mütterliche Gefühle und möchte ihnen den Scheitel tätschelnd Sachen sagen wie "Schön, dass du dich so freust, und jetzt gehen wir noch ein Eis essen, wär das fein?".
Love. Love? Love!
Eigentlich wollte ich schon ewig einen Lobgesang auf Steve Carell auf der Blumenwiese untergebracht haben. Hat irgendjemand außer mir diesen wunderbaren Film "Dan - Mitten im Leben" gesehen? Und war er nicht zauberhaft in "Little Miss Sunshine"? Und in "Date Night"? Über "Evan Allmächtig" lässt sich meinetwegen streiten, aber ich zumindest hab mich amüsiert. Er sieht so herrlich normal aus und kann in fünf Minuten geradezu traumwandlerisch sicher wechseln zwischen lustig und traurig und verletztlich und wütend. Toller Schauspieler.
In "Crazy, stupid, love." steht ihm obendrein eine exquisite Besetzung zur Seite: die erfreulich ungebotoxten Damen Julianne Moore und Marisa Tomei, Kevin Bacon, der den Footloose-Gedächtnis-Hüftschwung vermutlich noch mit 90 drauf hat, die unglaublich talentierte und irre gesichtsakrobatische Emma Stone (tja, Miss Lohan, das könnten alles deine Rollen sein, eieiei) und - Ryan Gosling. W. O. W. Er gibt ja normalerweise eher abgehalfterte Schwerenöter-Säufer-Versager-Kriminelle und ist drum hier eigentlich ja sowas von gegen den Typ besetzt als rattenscharfer Womanizer mit Herz, aber hat jemals ein Mann eine weiße Jacke mit Stehkragen (!), sonst ein Graus sondergleichen, so nonchalant tragen können wie er und dies in Kombination mit fröhlichen Augen und einem Spitzbubengrinsen, auf dass ich ungelogen vor Entzücken nach Luft schnappe?
Kid Malicious fand den Film nicht so doll, aber ich hab mich bestens unterhalten. Und da macht es auch nix, dass ich, was die Beziehung zwischen den von Steve Carell und Emma Stone gespielten Figuren angeht, erst relativ spät auf den Trichter gekommen bin. Aber die Erkenntnis sickerte immerhin nicht so spät durch wie in "Sixth sense", ist ja auch was ...
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