Freitag, 5. August 2011

Blümchen en masse

Diese Woche hab ich ein wirklich wundervolles und unglaublich witziges Buch gelesen: "Das hab ich jetzt akustisch nicht verstanden" von Max Scharnigg, seines Zeichens Autor bei jetzt.de, dem Jugendmagazin der Süddeutschen, wie mir Tante Ecosia verrät. Bin nicht mehr jung, also konnte ich ihn bis dato nicht kennen, hmpf.

Jedenfalls, der Buchtitel bzw. wie er weitergeht mit "... und 99 andere Sätze, mit denen man durchs Leben kommt" ist Programm, denn auf den knapp 250 Seiten gießt Herr Scharnigg ein wahres Füllhorn an Floskeln aus (ist der Ausdruck vom Füllhorn-Ausgießen eigentlich auch schon eine Floskel?), von denen eine besser weil bekannter ist als die andere. Beispiele gefällig?
  • Ich war echt schon ewig nicht mehr bei McDonald's
  • Am meisten vermisse ich das deutsche Brot
  • Ich liebe den Geruch von Sommerregen auf der Straße
  • Morgen soll es ja schneien
  • Jetzt mal ganz ehrlich gesagt
  • Muss man auch mögen
  • Das ist wieder so typisch deutsch
  • Wenn man erst mal drin ist, dann geht's
  • Ich schick dir mal den Link
  • Wenn die Sonne weg ist, wird's gleich kalt

Haben wir solche Floskeln nicht alle irgendwann schon mal benutzt? Ich bin ja sowieso ein großer Floskel-Fan. Meine Lieblingsfloskel ist übrigens geklaut von Harald Schmidt (noch aus "Schmidteinander"-Zeiten, glaub ich) und lautet "... um mal eine Floskel zu vermeiden" am Ende von absoluten Floskelsätzen.

Je öfter ich 'Floskel' schreibe, umso schräger sieht das Wort aus, merke ich grad. Floskel. Floskel. Floskel. Tante Wiki klärt mich auf, dass das Wort zurückgeht auf lat. flosculum, was "das Blümchen" bedeutet - hey, wie cool ist das denn? (Auch so ne Floskel.) Passt perfekt zu meiner Blumenwiese. Ist ja super.

Hab ich schon erwähnt, dass ich es auf den Tod nicht ausstehen kann, wenn mir jemand in echt oder sinnbildlich mit einem Buch vor der Nase rumwedelt und "DAS MUSST DU LESEN!" insistiert? Hiermit wedele ich energisch selber: Ihr lieben Menschen da draußen an den Rechnern, Smartfohns, iPads, Fernsehern (in meinem Fall) - kauft Maxens Buch! Oder leiht es wenigstens aus von mir! Der Mann hat's echt drauf, allein die Wörter, die er erfindet, und die Bilder sind einfach nur großartig.

Ob ich mich jetzt aktuell mit der Paparazzi-Sammlung "Als Franz Beckenbauer mir einmal viel zu nahe kam" so amüsieren werde, auch wenn Tex Rubinowitz dahintersteckt? Das möchte ich dann doch bezweifeln, jetzt mal ehrlich gesagt ...