Donnerstag, 21. Juli 2011

Wikinger & Sternenkrieger

Die Tage bin ich mal wieder auf so ein Angebot "Fernsehzeitung plus DVD für nur xx Euro" reingefallen. Ich weiß auch nicht, was mich da immer reitet - von all den DVDs, die ich auf diese Weise bekommen habe, hat nämlich bisher genau eine was getaugt. EINE. Und das war "The Untouchables", wobei ich den Film ohnehin kannte und toll finde und Heiner Lauterbach, so wenig ich ihn als Schauspieler schätze, tatsächlich die am besten passende Synchronstimme für Kevin Costner hat. Aber der Rest? "Revolver" kann nicht mal Jason Statham retten, "The virgin suicides" ist ja wohl nur überschätzt, für "Flashbacks of a fool" muss Daniel Craig unterschrieben haben, als er mindestens ebenso bekifft war wie die Figur, die er darin spielt, und "Wu Ji - Die Reiter der Winde" mag der teuerste chinesische Film aller Zeiten sein, aber nach meinem Dafürhalten auch der idiotischste chinesische Film aller Zeiten (ist allerdings auch der einzige chinesische Film aller Zeiten, den ich kenne, ahem).

Nicht, dass der Eindruck entstehen darf, dass ich grundlos zur deutlich teureren Variante von Fernsehzeitungen greife - in den Filmen spielen immer Menschen mit, die ich sonst gern sehe (wie die obig genannten Herren), oder ich meine sie schauen zu müssen, weil sie zahlreiche Preise abgeräumt haben wie Sofia Coppola für ihre geradezu absurd öde Jungfrauen-Geschichte (das "Englischer-Patient"-Syndrom). Der Gründe gibt es wahrlich viele.

Die letzte Ausgabe von TV-Movie plus DVD hab ich jedenfalls deswegen gekauft, weil im beiliegenden Film "Outlander" James (Jim) Caviezel mitspielt, den ich eigentlich ziemlich mag, weil er so schöne blaue Augen hat, die immer einen Tick traurig gucken. Damit passte er beispielsweise perfekt als Hauptrolle für Mel Gibsons Schlachtplatten-Version vom Leiden Christi - obwohl er da ausgerechnet braune Kontaktlinsen tragen musste. (Leider ist er nebenberuflich angeblich ähnlich fundamentalistisch drauf wie Mel, hab ich mal gelesen. Das wär dann nicht so schön. ) Und "Frequency" ist auch einer meiner Lieblingsfilme, zumal Dennis Quaid mittut, der so nett mit dem ganzen Kopf grinsen kann.

"Outlander" spielt zudem im Wikinger-Bereich, wie der Beipackzettel verriet, und seit "Pathfinder" bin ich ja bekanntlich sehr aufgeschlossen gegenüber schrägen Kombinationen der zerzauselten Nordleute mit was auch immer. Hier - festhalten! - ist es Besuch aus der Zukunft (vermute ich) und dem Weltall dazu. SEHR schräg also.

Zum Inhalt: Zu Beginn notlandet James (Jim) Caviezel alias Kainan mächtig unsanft mit seinem, äh, Raumschiff in pittoresker skandinavischer Landschaft - und mit ihm ein äußerst unwirsches Monster, aber pssst, zunächst ahnt unser Held noch nix von diesem Ungemach. Sein Rechner ist zum Glück nach dem Absturz noch intakt (sein menschlicher Begleiter nur leider nicht) und bringt ihn erst mal geografisch (Norwegen) und zeitgeschichtlich (finsterste Wikingerzeit) auf den aktuellen Stand sowie im Nachgang auch noch sprachlich, dies originellerweise durchs Auge. Ah ja. Tut auch weh, wie's aussieht, aber hey, hinterher kann er wirklich fließend Norwegisch. Nachdem er vorsorglich einen Peilsender aktiviert hat, der seine Robinsonade beenden soll, begibt er sich ausgestattet mit futuristischem Kampfgerät auf Erkundungstour und stolpert direkt über einen übel zugerichteten nahegelegenen Ort. Auweia, wenn's schon so losgeht, möchte man ihm zurufen, und in der Tat wird's noch übler, denn trotz seiner High-Tech-Ausrüstung legt ihn ein ortskundiger Wikinger (ein ziemlich dreckiger übrigens, aber auf diese animalische, aragorneske Art, die gerade auf die Damenwelt sehr anziehend wirken kann, oho), der per Pferd des Wegs kommt, binnen Sekunden aufs Kreuz und schleift ihn mit in sein festungsähnliches Dorf, um dort zu verkünden, dass dieser komisch angezogene Typ da in seinem Schlepptau grad eben im Nachbarort rumgemetzelt hätte. Stimmt ja nicht, wie wir Außenstehende wissen, aber Wulfric, so der Name des Kriegers, hat ein Auge auf den Thron (?) der Siedlung geworfen, muss sich also dringend profilieren, und das andere Auge auf die zwar sehr hübsche, aber ganz und gar nicht liebliche Maid Freya, ihres Zeichens die Tochter des jetzigen Anführers, die sich lieber im Schwertkampf austobt als mit den anderen blondbezopften Frauen kuschlige Norwegerpullover für kalte Wintertage zu stricken o.ä., und obendrein leider so gar nicht auf ihn steht.

Unser Held hat mittlerweile böse und - wie sich rausstellen wird - allzu zutreffende Vermutungen, wer wirklich hinter dem Tohuwabohu steckt, aber leider will ihm niemand so recht glauben und drum kriegt er vorsichtshalber weiterhin was auf die Mütze von den martialisch gewandeten Dorfbewohnern. Die dadurch entstandenen Wunden soll dann natürlich ausgerechnet das Frollein Freya versorgen, klar, kann auf keinen Fall ein anderes Mädel im Dorf dermaßen hochprofessionell und notfallmedizinisch ausgebildet einen Lappen in Wasser tunken und damit blutige Schrammen betupfen. Kainan tut zwar zunächst ganz harmlos und dankbar, hat sich selbstverständlich aber schon längst mit dem ältesten Trick der Welt von seinen Fesseln befreit, rennt seine darob verdutzte Krankenschwester inkl. des obligatorisch extraungemütlichen Wachmanns kurzerhand über den Haufen und gibt Fersengeld in Richtung Nixwieweg.

Ich gestehe: Ab diesem Zeitpunkt hab ich nicht mehr allzu aufmerksam die weitere Handlung verfolgt und nebenher bzw. hauptsächlich Mah Jongg gespielt. Irgendwie kommt Kainan jedenfalls doch wieder ins Dorf zurück, irgendwas ist da noch mit einem kleinen Jungen, der ihm hilft, irgendwann glauben ihm die großen Buben, dass nicht er, sondern ein Monster/Drache Schuld ist an dem vermeintlichen Massaker im Nachbarort, sie bekämpfen das Viech in genreseitig unvermeidbar glibbergetränkter, feuriger und größtenteils stockfinsterer Umgebung, es gibt aber noch weitere Babymonster (oder so), der greise Anführer stirbt nach heldenhaftem Einsatz in den Armen seiner tapfer an der Seite der Männer schwertschwingenden Tochter, Wulfric - doch kein so schlechter Kerl - ebenso heldenhaft in den Armen von Kainan, wer gewinnt, ist klar, und zum Schluss sehen wir Kainan und Freya in Liebe vereint.
Oh, genau, kurz vor dem happy ending gibt's natürlich noch den üblichen Gewissenskonflikt, weil Kainan eigentlich ja wieder zurück muss auf seinen Heimatplaneten. Der Peilsender hat zwischenzeitlich tatsächlich Hilfe herbeigepiepst, aber in letzter Sekunde zertrümmert er das Teil noch schnell, ehe er hochgebeamt (?) werden kann. Komisch, dass das zur Rettung herbeigeeilte Raumschiff dann wirklich auch sofort abzieht - jemand wie Captain Picard hätte garantiert ein Team runtergeschickt, zur Sicherheit! Die holde Freya hat die ganze Szene übrigens mit großen Augen beobachtet, aber die Liebe siegt usw. s.o.

Also, im direkten Vergleich würde ich Pathfinder Karl-Heinz dem Alien Kainan wohl vorziehen, wenn ich so überlege, allein wegen des bezaubernden Knochenschmucks, der so nonchalant über der gestählten Brust des Erstgenannten baumelt - das kann nicht jeder so tragen, dass es nicht total albern aussieht! Und letzten Endes sind Indianer halt schon mächtig edel und ich könnte endlich hinter das Geheimnis kommen, warum ihre Haare selbst nach wildester Büffeljagd nie so struppig aussehen wie meine, wenn ich bloß einmal durch die Fußgängerzone laufe ...