Mittwoch, 7. März 2012

Und zu guter Letzt ...

... noch ein weiteres Beispiel für "Herziges aus dem Alltag" - jüngst auf meiner Spüle:

Hawaii jenseits von Five-O

Wenn das Team von "Hawaii Five-O" unterwegs ist, um böse Buben zur Strecke zu bringen, ist immer schönes Wetter. Immer. Und kein Mitglied des Teams hüllt sich in Thomas-Magnum-Gedächtnis-Hemden mit psychedelischem Muster. Keins. Vermutlich weiß der hinreißende Commander McGarrett gar nicht, wo er sowas kaufen würde - in den Läden, in denen er seine unendlich lässigen Cargohosen holt, hängen solche Textil gewordenen Monster sicher nicht, wie sie Gorgeous George in "The Descendants" trägt (tragen muss?). Er-tragen muss er aber nicht nur fragwürdige Mode, sondern auch ziemlich diesiges Wetter auf Hawaii (oder liegt's an der besch*** Leinwand in der Camera zwo, dass Hawaii so novemberwettrig rüberkommt? Würde mich NICHT wundern!) und - schlimmer noch - den Unfall seiner Frau, die im Koma dämmert, dieweil ihm in seiner Trauer nach und nach sein Leben um die Ohren fliegt: Seine jüngste Tochter ist eine kleine Klugscheißerin, seine ältere Tochter eine schwerstpubertierende Zicke, immerhin mit einem goldenen Herz, aber auch einem randvoll mit Hormonen gefüllten Freund namens Sid. Seine Schwiegermutter ist dement, der Schwiegervater ein aggressiver Hornochse. Alle aus seinem Freundeskreis scheinen obendrein gewusst zu haben, dass seine Frau ein Verhältnis hatte und dabei war, ihn zu verlassen. Und außerdem verwaltet er ein Riesenvermögen für seine Familie und hat deswegen permanent eine geldgierige Meute an Cousins und Cousinen im Nacken. Oh Gott.

George Clooney hat für seine Rolle als verzweifelter Tropf zu Recht eine Oscar-Nominierung bekommen, er spielt wirklich herzzerreißend und unglaublich gut. Was er hingegen nicht so gut kann, ist laufen. Ich hab noch selten jemand so gurkig rennen sehen wie ihn, aber meine Freundin Katja meinte, er hätte auch mal in einem Interview erzählt, dass er altersbedingt Knie und Rücken "hat". Grad mal 50 und schon ein Fall für die Ganzkörper-Orthopädie. Und er kann's nicht mal auf die missratene Brut schieben wie Brad Pitt, der gleich wochenlang am Stock gehen muss, nur weil er ein Mal einer seiner wahrscheinlich vom Frühstücks-Cola benommenen Gören von der Schaukel geholfen hat oder so. Die Männer sind echt nicht mehr, was sie mal waren. East Clintwood scheint mir weniger geriatrisch durchs Leben zu kommen als diese im Vergleich zu ihm geradezu jungen Knirpse. Wo soll das noch hinführen ...

P.S.: Judy Greer muss ich noch erwähnen, sie spielt die Frau des Geliebten von Georges Frau. Und sie macht das so innig und rührend. Ich kenne sie ja sonst eher in lustigen Rollen, z.B. "30 über Nacht" oder "Two and a half man" - Ehre dem Regisseur, der sie mal ganz gegen den Typ besetzt hat. Eine hervorragende Wahl.

Stuttgart schlägt Mittelalter

Puh, da bin ich aber schon mächtig erleichtert, dass der Stuttgarter "Tatort" dann doch immerhin mehr Zuschauer gehabt haben soll als dieses Sat.1-"Wanderhure-reloaded"-Teil! Gut, Letzteres habe ich gar nicht erst gesehen, aber die diversen Vorab- und Hernachkritiken waren allesamt wahrlich keine Lobeshymnen, ich scheine nichts verpasst zu haben außer haufenweise unfreiwilligen Lachern. Lannert und Bootz hingegen gucke ich bekanntermaßen regelmäßig zu und ich muss sagen, dass es dieses Mal richtig spannend war (auch wenn eigentlich jeder "Tatort" spannend für mich ist insofern, dass ich überhaupt keinen kriminalistischen Spürsinn besitze und in den allerseltensten Fällen vor der 85. Minute auch nur annähernd ahne, wer da demnächst für einige Zeit hinter Gitter wandert, ahem) und gut und logisch gemacht im Gegensatz zum letzten Streich des SR-Duos Kappl-Deininger - ich sag nur "Franz, heersche das?", der Satz des Abends von Gregor Weber, der mit geradezu Mulderscher Intuition im Garten stehend einen 10 Meter entfernt am Lüftungsschacht raschelnden Papierfetzen hören konnte. Jo, is klar.

Zurück nach Stuttgart. Ein Undercover-Einsatz hie und da scheint heutzutage zum Repertoire zu gehören, aber er war dieses Mal schon ganz nett eingebaut. Besonders hübsch war hier halt auch, dass der sonst immer perfekt föhngewellte Kommissar Bootz im Urlaub offenbar gern mal ordentlich verschlumpft, anders sind der gänzlich ungeföhnwellte Schopf und das zerknüllte, Antifa-angehauchte T-Shirt echt nicht zu erklären, mit denen und einem verdatterten Gesichtsausdruck ausgestattet er Kollege Lannert und der allzeit tiefdekolletierten Staatsanwältin die Tür öffnet. Dass er für einen Leibwächter Schrägstrich Chauffeur glasklar zu niedlich ist, sei dahingestellt; vielleicht hab ich allzu viele alberne Klischees von Dumpfbacken im Kopf, die sich zum Frühstück schon anabole Steroide in ihr Müsli rühren und nur so Sätze wie "Du kommst hier net rein!" grunzen können.

Der Showdown am Ende hätte aber etwas weniger hollywood-mäßig ausfallen können mit der doch recht langen Flucht durchs Unterholz - ich an Bootz' Stelle hätte mich eher irgendwo im Haus verschanzt, als kilometerweit durch den Wald bis zum Autobahnkreuz Degerloch zu rennen. Und dann noch verletzt! Gut, dass Richy 'Die Nase' Müller erstens durchtrainiert und schnell und zweitens spürnasig (sic!) genug ist, ihn auch im tiefsten, dichtesten Tann zu finden und den Übeltäter obendrein noch wie eine Art zu kurz geratener Seeley Booth in bester Scharfschützen-Manier aus größter Entfernung punktgenau niederzustrecken, nämlich OHNE ihn gleich umzubringen! Commander McGarrett, daran könnten Sie sich mal ein Beispiel nehmen, nur so als Tipp ...

Ryan in da house

Südafrika scheint derzeit eine äußerst beliebte Location für Kino und TV zu sein, wie's aussieht, und zwar nicht nur für deutsche Film-Filme mit einem der drei Flintenweiber des Trio infernale Ferres-Neubauer-Furtwängler (auch wenn die Frau Doktor in ihren Rollen lieber durchs zerstörte Dresden irrt o.ä.). Wobei die mangels Inhalt und wegen fehlender Schauspielkunst eh auf irgendeine Art exotischer Umgebung zurückgreifen müssen, weil der Schmu sonst gar nicht zu ertragen wäre, könnte man nicht wenigstens die Landschaft um die knallchargierenden Pappnasen rum bewundern. In "Safe House", dem neuesten Action-Fuim mit Ryan 'Clarence' Reynolds, dient Südafrika jetzt als immerhin mal etwas andere Kulisse für die übliche Ballerei und Balgerei. Auslöser der Pyrotechnik- und Martial-Arts-Orgie ist dabei Denzel Washington als Bösewicht-oder-auch-nicht Tobin Frost, ein Ex-CIA-Agent, der zur anderen Seite übergelaufen ist-oder-auch-nicht und jetzt wieder in den Schoß der CIA zurückkommen will-oder-auch-nicht, aber ist ja egal. Nach einer unschönen Waterboarding-Episode hängt er jedenfalls einen Großteil des Films wie eine lästige Zecke am wonnigen Ryan, der lustigerweise einmal als "blond und mittelgroß" bezeichnet wird. Mittelgroß? Der Mann misst fast einsneunzig?! Nun ja, in dieser seiner Rolle als dann eben mittelgroßer CIA-Agent-aber-wirklich rettet er Frost praktisch ununterbrochen seinen Hintern, was ihn zu Anfang ziemlich überfordert, weil er im Grunde noch so eine Art Greenhorn im Geschäftszweig "Rettung böser und guter Buben" ist. Monatelang hat er sich im feucht-schwülen Ambiente fast zu Tode gelangweilt und (drum?) ein bizarres Ersatz-Französisch gelernt und plötzlich katapultiert es ihn quasi von 0 auf 180 in die brenzligsten Situationen inklusive der obligatorischen Verfolgungsjagden, wilden Schießereien und übelsten Schusswunden, die natürlich trotzdem niemals und niemanden vom finalen Befreiungsschlag abhalten. Die alte Geschichte: Liegt eine Person nicht in mehrere Teile zerteilt an verschiedenen Plätzen, steht sie garantiert wieder auf. Vorhersehbare Handlungsstränge halt. Aber für einen Donnerstagabend und mit einer großen Tüte Popcorn dazu schon in Ordnung ...

"Verblendung" zum 2.

Am vergangenen Sonntag haben wir die diesjährige Oscar-Verleihung geguckt. Großes Thema (natürlich): Ist Christian Bale nicht einfach der Oberknaller? Er ist es. Hach. Und das zweite Thema: Angies weißes Streichholz, äh, rechtes Bein. Igitt. Immerhin lenkte es ein wenig von ihrem schweißglänzenden Gesicht ab, mit dem sie auf die Bühne stöckelte nach der bezaubernden Anmoderation von Billy Crystal, nun käme "the real girl with the dragon tattoo". Ist vermutlich arg kräftezehrend, dermaßen unterernährt ohne Hilfe 12 Schritte zu laufen und dann eine extrem affige Position auszuhalten. Unbezahlbar wiederum ihre essigsaure Miene, als einer der drei Gewinner zur hörbaren Belustigung des Publikums vor ihrer fettfreien Nase auch noch ihre lächerliche Pose nachgeahmt hat!

Das Kino-Girl-with-the-dragon-tattoo, die elfengleiche Rooney Mara, gehörte zu den Anwärterinnen des Oscars für die beste weibliche Hauptrolle, was mal wieder die These untermauert, dass es wenigstens für eine Nominierung reicht, wenn eine Rolle so richtig ätzend zu spielen ist und eine komplette Typveränderung verlangt. In ihrem Fall gehörte zur Verkörperung von Lisbeth Salander ja leider, dass sie ihr bildhübsches Gesicht quasi komplett perforieren lassen musste - kaum eine Stelle, die nicht getackert war. Und dann noch die blondierten Augenbrauen, schauerlich. Daniel Craig als heldenhafter Mikael Blomkvist war hingegen weder nominiert noch anwesend bei der Feier, fällt mir grad auf. Der hatte aber halt auch nur eine Schusswunde hinzunehmen, bisschen Rauferei und eine Plastiktüte überm Kopf.

Meine Kusine meinte beim Rausgehen aus dem Kinosaal, dass Rooney Mara ihr fast noch besser gefallen hätte als Noomi Rapace, weil sie noch zerbrechlicher und autistischer rübergekommen ist. Kann ich unterstreichen. Ansonsten war das alles schon wirklich ein 2. Aufguss, wenn auch gut gemacht, das durchaus. David Fincher hat ja definitiv ein Händchen für düstere Stoffe, keine Frage. Vielleicht hätte man einfach mehr Abstand zwischen den beiden Verfilmungen lassen sollen ...

Theater Theater: Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

Wie flehte ich Anfang Februar so inniglich in Richtung Staatstheater? "Es kann nur besser werden. Es muss." Und in der Tat: Es konnte und es tat. Uff. "Villa Dolorosa. Drei missratene Geburtstage" war wirklich ganz, ganz toll. Und nicht nur, weil Nina Schopka, die Unvergleichliche, in dieser Dramödie die Gelegenheit hatte, herrlich uneitel wieder einmal ihr ganzes Können zu zeigen (und ihre perfekten Beine), denn alle anderen spielten ebenfalls mit großer Wonne auf und dies obendrein textsicher in einem Tempo, dass MIR vom Zuhören schwindlig wurde. Großartig. Mit am besten fand ich Saskia Petzold als völlig desillusionierte Lehrerin - ihr hingebungsvoll ausgekotzter Frust über das blöde Kollegium und die noch ekligerere Kinderschar mit den passenden Idioteneltern kam ausgesprochen authentisch rüber (auch wenn ich jedem angepissten Leerkörper sein Schicksal von Herzen gönne, könnten ja auch was Anständiges lernen, wenn sie merken, dass sie für ihren Beruf nicht geeignet sind). Satz des Abend: "Was für eine Missgeburt von Geburtstag." Herrlich.

Viele, viele Nachträge

Nicht dass ich die letzten Wochen nix anderes gemacht hätte als Gummibärchen zu ersäufen - wiewohl Unfälle in/auf dem Wasser ja anscheinend Konjunktur haben derzeit (bitteres Auflachen). Andererseits: Wer mich kennt, kennt auch meine Einstellung zu Kreuzfahrtschiffen. Ich würd sie verbieten. Zack. Dann kämen Bunga-Bunga-Kapitäne erst gar nicht in die Versuchung, ihrem 3. Assistenz-Steward zuliebe ihren Meereskoloss einen Meter von der Uferpromenade entfernt auf Grund zu schrabben, nur weil Letzterer seiner Tante mal von der Brücke aus zuwinken will. Außerdem hätte ein solches Verbot schließlich auch Leo ImCabrio gerettet, der vor lauter Hingabe und beseelt von verschwitztem Auto-Verkehr die liebliche Rose Können-Sie-mir-Ihren-Namen-bitte-aufschreiben am Ende der gefühlt neunstündigen Hollywood-Version über die Komplett-Flutung der "Titanic" nicht nur auf die Planke gehievt, sondern ihr auch noch die Schwimmweste überlassen hat. Blöder Fehler. Der Film soll ja jetzt allen Ernstes mit 3D-Technik wieder ins Kino kommen, also bitte. Ich seh mir das sicher nicht noch mal an, allein aufgrund der traumatischen Erinnerung an nicht enden wollende Spätvorstellungen im Kino damals, wo ich armes Thekenpersonal jedes Mal irgendwann total geschwächt über dem Popcornwärmer zusammengesunken nurmehr "Sauf ab, Leo!" oder "Sink endlich, du doofes Boot!" röcheln konnte.

Jedenfalls ist mir letzte Woche klar geworden, dass ich alt werde. Dazu haben genau 3 Minuten "Bambule" auf ZDF-Neo ausgereicht. Hab ich schon mal erwähnt, dass ich Sarah Kuttner eigentlich ziemlich klasse finde? Sie schreibt (schrieb?) lustige Kolumnen und ich hab ihr Buch "Mängelexemplar" gelesen, das gar nicht schlecht war. Und sie hat Jürgen Vogel hinreißend interviewt, als sie noch ihre Sendung bei Viva (MTV?) hatte. Ihre Stimme geht mir außerdem auch noch nicht nach 14 Sekunden auf den Zeiger so wie die ihrer Kollegin Frau Roche, deren halb-apnoeisches Gequietsche dem Adjektiv 'nervenzerfetzend' ein menschliches Antlitz gibt. Insofern fand ich es ganz schön zu erfahren, dass die allzeit quirlige Frau Kuttner jetzt wieder eine Sendung hat und dann noch très chic beim Jugend(?)-Sender vom Zertifizierten-Demenz-Fernsehen! Bei der Gelegenheit ist mir übrigens aufgefallen, dass sich dort so allerlei Ex-Personal von ausrangierten Musiksendern tummelt, guck an. Da geht offenbar einiges an mir vorbei, weil ich mich zum Feierabend mittlerweile lieber per DVD entweder an den Stränden Hawaiis tummele mit Commander McGarrett und seiner gelegentlich doch recht ruppig-unproduktiven Vorgehensweise "Erst schießen, dann fragen!" bei der Verbrechensbekämpfung, oder wahlweise Uraltfolgen der "Muppet Show" gucke (Lieblingsrubrik "Im Ballsaal").

Wie auch immer. Ich wollte ja eigentlich meine Meinung zu "Bambule" kundtun. Mit einem Wort: schrecklich. Hysterische Wackelkamera, hektische Schnitte, eingeblendete Schriftfetzen - ist dieser Fernsehen gewordene Wahnsinn das, was 'die jungen Leute' wollen? ICH fühle mich von so etwas medial komplett überfordert. Schieb ich's mal aufs Alter. Oder auf mein (vielleicht gestörtes?) Geschmacksempfinden? Das kann doch kein Mensch ernsthaft aushalten?! Ich hab nach 3 Minuten (s.o.) entkräftet aufgegeben.

Und was sonst noch so war, kommt jetzt häppchenweise - nicht dass Kid Malicious wieder so viel scrollen muss, gell ...